Für sicheres Wohnen mitten in Berlin
In Berlin-Mitte sorgt Hausmeister Sascha W. dafür, dass sich alle Mietenden des Hauses sicher fühlen. Er nimmt uns mit auf einen Rundgang und zeigt, wie viel Verantwortung und Aufmerksamkeit in seinem Alltag steckt.
Der Wind pfeift leicht um die Hochhäuser an der Spandauer Straße in Berlin-Mitte, als Hausmeister Sascha W. vor dem Eingang der Hausnummer 2 stehen bleibt. Ein kurzer Blick, ein routinierter Griff an die Tür – sie schließt sauber. „Das ist wichtig“, sagt er beiläufig. „Sicherheit fängt schon an der Hauseingangstür an.“
305 Wohnungen, acht Gewerberäume im Erdgeschoss. Ein Späti, ein Fitnessstudio und das Berlin Dungeon. Für Sascha W. ist dieser Ort nicht nur ein Tourist*innen-Hotspot, sondern sein Arbeitsplatz. Seit 2006 ist er von Beruf Hausmeister, seit 2014 bei der WBM. Er ist einer, der lieber draußen ist als im Büro. Einer, der die Menschen kennt – und die Ecken, an denen es auch mal Herausforderungen geben kann.
Sicherheit fängt schon an der Hauseingangstür an.
Ein Blick fürs Detail
Die Spandauer Straße liegt mitten in Berlin. Zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt steht das Hochhaus aus den 1970er-Jahren. Wir gehen durch die langen Flure. Sascha W. läuft nicht einfach, er scannt. Briefkästen, Beleuchtung, Türen, Sauberkeit. Alles fällt ihm auf. Seine Häuser in der Spandauer Straße, Münzstraße, Memhardstraße, Karl-Liebknechtstraße und Rosa-Luxemburgstraße kontrolliert er jeden Tag. Fünf bis sechs Kilometer legt er dabei mindestens zurück. „Man entwickelt ein Gefühl und weiß, wo man genauer hinschauen muss“, sagt er. Sicherheit ist dabei tägliche Praxis: Funktionieren die Rauchabzugsanlagen? Sind die Türen intakt? Gibt es Spuren von Vandalismus? Gerade in einem so stark frequentierten Wohnhaus kann aus einer Kleinigkeit schnell ein Sicherheitsrisiko werden – auch in sicheren Stadtteilen von Berlin.
Hoch hinaus – und die Schattenseiten der Aussicht
Mit dem Aufzug geht es in den 18. Stock. Oben angekommen öffnet er uns die die Tür zum Dach. Fernsehturm, Berliner Dom – die Stadt liegt ausgebreitet zu unseren Füßen. Hausmeister Sascha W. bleibt einen Moment stehen und schaut über die Dächer.
Doch der Ort ist nicht nur Aussichtspunkt. Gerade im Sommer wird das Dach zum Problem. Jugendliche verschaffen sich illegal Zugang, reißen Rauchabzugsanlagen heraus, brechen Gitter auf und hinterlassen Graffiti. „Ich versteh das ja“, sagt Sascha W. „Wir waren alle mal jung. Die Aussicht ist toll. Aber der Schaden, der dabei entsteht, ist enorm.“ Für ihn bedeutet das meist viel Koordination. Dann heißt es: Türen sichern, Schäden dokumentieren, Maßnahmen einleiten.
Ich bin hier nicht nur Hausmeister. Ich bin Ansprechpartner für alles und habe immer ein offenes Ohr.
Ein Job zwischen Technik und Menschlichkeit
Der Weg von Sascha W. in den Beruf war kein geradliniger. Früher arbeitete er als Maurer und im Garten- und Landschaftsbau. Aus gesundheitlichen Gründen musste er umdenken. Heute, fast 20 Jahre später, ist er immer noch überzeugt von seiner Entscheidung. Auch wenn sich der Job verändert hat. „Früher war ich viel mehr bei den Leuten in den Wohnungen“, erzählt er. Heute läuft vieles über externe Dienstleister*innen und digitale Systeme. Meldungen werden weitergeleitet, Prozesse digital gesteuert. „Das erleichtert die Arbeit in vielen Bereichen. Trotzdem fehlt der direkte Kontakt zu den Menschen manchmal.“ Wenn er dann älteren Mieter*innen beim Schreiben einer E-Mail hilft, nimmt er sich die Zeit gerne. „Gerade sie freuen sich über jeden sozialen Kontakt“, sagt er.
Wenn Sekunden zählen
Wie wichtig seine Arbeit für die Sicherheit ist, zeigt sich besonders in Ausnahmesituationen. Vor ein paar Jahren hörte Sascha W. bei einem Kontrollgang Alarm. Im Treppenhaus: Rauch. Er reagierte ohne zu zögern, öffnete die Rauchabzugsanlagen und verschaffte sich einen Überblick, bis Feuerwehr und Polizei eintraf. „Es stellte sich heraus, dass es der Toaster einer Mieterin war, der Feuer fing. Das ist leider nicht selten“, erinnert sich Sascha W. zurück. Auch bei Rohrbrüchen zählt jede Minute. Hier ist es dann auch Sascha W., der als Erster das Hauptventil abdreht, den Schaden begrenzt und weitere Schritte einleitet.
Mehr als Pflege: Einsatz für ein Denkmal
Zurück im Erdgeschoss führt Sascha W. uns zu einem besonderen Ort: dem jüdischen Denkmal „Skulptur der Frauen“. Eine ruhige Anlage, fast versteckt hinter den Wohnkomplexen der Spandauer Straße Ecke Karl-Liebknecht-Straße – und doch ein Ort mit von historischer Bedeutung. Hier endet unser Rundgang. Wir setzen uns auf eine Bank. „Ein Denkmal zu betreuen ist nichts Alltägliches“, sagt er. „Und es bringt Verantwortung mit sich. Immer wieder kommt es zu antisemitischen Schmierereien.“ Für ihn ist klar: Die müssen sofort entfernt werden. Er ist verantwortlich für die Sauberkeit der Anlage, prüft Bäume auf Sicherheit, achtet auf beschädigte Zäune oder Schilder. Während unseres Gesprächs entdeckt er einen politischen Aufkleber, kniet sich hin und zieht ihn ab. Ein Handgriff, mit dem er Haltung zeigt.
Ein Denkmal zu betreuen ist nichts Alltägliches. Und es bringt Verantwortung mit sich.

Nah dran an den Menschen
Was für ihn den Job besonders macht, sind die Menschen. Er kennt viele von Ihnen schon seit Jahren, hat Kinder aufwachsen sehen, wird gegrüßt und angesprochen, auch bei unserem Rundgang. Und genau das ist ihm wichtig. „Ich bin hier nicht nur Hausmeister“, sagt er. „Ich bin Ansprechpartner für alles und habe immer ein offenes Ohr.“
Als wir aufstehen und uns verabschieden, wird klar, dass Sicherheit in der Spandauer Straße 2 kein Zufall ist. Hausmeister Sascha W. ist einer, der mittendrin ist: im Alltag der Menschen, in den kleinen und großen Herausforderungen eines Wohnquartiers. Und manchmal reicht schon ein kurzer Blick an der Eingangstür, um zu wissen: Hier passt jemand auf.





