Zwischen Sperrmüll und Berliner Nachbarschaft
600 Wohneinheiten und rund 25 Aufgänge: WBM-Hausmeister René E. hat ein großes Revier und ein noch größeres Thema, das ihn jeden Tag begleitet. Wir waren auf seinem Rundgang in der Habersaathstraße dabei.
René E. ist seit 2013 als Hausmeister in Berlin im Einsatz, seit einigen Jahren auch für die WBM. Sein Revier in Berlin-Mitte kennt er inzwischen in- und auswendig: Wer hier wohnt, wo seine Aufmerksamkeit gefragt ist, wo es vielleicht auch mal hakt. „Man muss den Hausmeister-Blick haben“, sagt er, während wir mit ihm durch das Quartier laufen.
Ein Kiez, der ihn kennt
Kaum sind wir ein paar Schritte gegangen, grüßt schon die erste Mieterin. René E. bleibt stehen, tauscht ein paar Worte, scherzt. Während unseres Rundgangs passiert das immer wieder. Viele Menschen, die hier leben, kennt er schon seit über einem Jahrzehnt. Auch mit Elektriker*innen oder dem Postboten, der gerade um die Ecke kommt, ist er per Du. Das Miteinander im Kiez, sagt René E., sei grundsätzlich ein gutes. „Man kennt sich.“ Auch zu seinen Kollegen hat er einen engen Draht. Für ihn ist das ein wichtiger Teil seines Berufs.

Das macht den Job für mich aus: der Zusammenhalt unter den Kollegen. Wenn mal was ist, gibt es da keine Diskussion. Wir helfen uns.
Unterwegs im und für das Quartier
Zwischen seinen Rundgängen durch die Häuser, den Kontrollen der Müllplätze, Aufzüge und Außenanlagen kommt René E. auf eine ordentliche Strecke. Täglich geht er das Quartier und die Wohnhäuser ab. Prüft auf defekte Lichtschalter, abgebrochene Äste, Türschließanlagen. Auch auf unserem Rundgang bleibt er immer wieder stehen. Sein Multitool ist schnell zur Hand, kleinere Reparaturen erledigt er gleich im Vorbeigehen. Im Schnitt kommt René E. locker auf 12.000 Schritte am Tag. „Ins Fitnessstudio muss ich nach der Arbeit jedenfalls nicht mehr“, sagt er und lacht.
Wenn Müll zum Dauerproblem wird
Ein unangenehmes Thema beschäftigt René E. bei seiner Arbeit allerdings immer wieder: Müll. Altkleider, Sperrgut, Hausmüll. Vieles landet dort, wo es eigentlich nicht hingehört. „Wenn sich irgendwo was sammelt, denken alle: Da leg ich doch auch noch was dazu“, erklärt René E. was er seit Jahren beobachtet. Eine Matratze, ein ausrangierter Teppich, ein Bügelbrett. Wer für die Entsorgung nicht selbst aufkommen will, entledigt sich seines Sperrmülls einfach an der Grundstücksgrenze. Dann ist René E. gefragt. Zur Prävention bringt er Aufkleber und Hinweiszettel an. Nicht immer mit Erfolg.
Ich geh nach all den Jahren immer noch gerne zur Arbeit. Die Abwechslung macht's, kein Tag ist wie der andere.
Im Einsatz gegen Sperrmüll und für ein Berlin, das sauber ist
Für René E. ist ein respektvolles Miteinander wichtig. Ob unter Kolleg*innen, Nachbar*innen oder zwischen ihm und den Mieter*innen. Was ihn beim Thema Müll besonders stört, ist die Ungerechtigkeit dahinter. Wer seinen Sperrmüll ordnungsgemäß entsorgen lässt, zahlt dafür oft aus eigener Tasche. Wer ihn einfach neben die Tonne stellt, lässt die Kosten von der gesamten Hausgemeinschaft mittragen. Auch ausrangierte Fahrräder sind ein Dauerbrenner. Achtlos vor dem Haus abgestellt, stehen sie dort manchmal monatelang. Erst gibt es von René E. einen Hinweisaufkleber, später geht es ihnen – wenn sich niemand kümmert – mit der Sperrmüllabfuhr an den Kragen.
Die kuriosen Fundstücke eines Berliner Hausmeisters
Doch nicht jede Geschichte rund um den Müll ist ärgerlich. Manche ist vor allem skurril. So fand René E. einmal einen kompletten Sessel in einer Mülltonne. „Wie die es geschafft haben, den da reinzukriegen, weiß ich bis heute nicht“, sagt er kopfschüttelnd. Auch die berühmten Berliner „Zu verschenken“-Kisten im Hausflur haben es ihm angetan, wenn auch selten im positiven Sinn. Meist bleibt liegen, was wirklich niemand haben will.
Und dann erleben wir auf unserem Rundgang selbst, was uns René E. zuvor berichtet. Erst ein Gürtel, dann ein alter Geldbeutel fliegen vom Balkon im sechsten Stock. Beinahe direkt vor unsere Füße. Was die Menschen sich dabei denken, kann sich René E. nicht erklären. Über diesen besonderen Zufall muss er trotzdem lachen. „Hab’s euch ja gesagt“, grinst er. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Ein Wunsch für Berlin
René E. ist einer von vielen Hausmeistern, der die Quartiere der WBM am Laufen hält. Am Ende unseres Rundgangs fragen wir ihn, was er sich für seine Stadt wünschen würde. Die Antwort kommt, ohne zu zögern. Es brauche gar nicht viel, sagt er: Die Mülltüte zubinden, sie in die richtige Tonne werfen und eben nicht aus dem Fenster oder einfach vor die Tür stellen. Ein kleiner Schritt, der aus seiner Sicht einen großen Unterschied machen würde. Bis es so weit ist, bleibt René E. mit wachem Blick unterwegs. Zuverlässig und mit einem Ohr für jede Geschichte, die ihm sein Kiez erzählt.








