Im Einsatz für ein Miteinander im Barnimkiez
Im Barnimkiez, zwischen Georgenkirchstraße und Mollstraße, ist Hans-Günter C. mehr als Hausmeister. Er ist ein lebendiger Teil einer Gemeinschaft, die er selbst mitgestaltet hat. Wir durften ihn an seinem Arbeitsplatz besuchen.
Eigentlich wollten wir Hans-Günter C. bei einem seiner täglichen Rundgänge begleiten. Aber als wir an der Georgenkirchstraße 12 ankommen, ist er bereits in Aktion: Warmwasserausfall. Noch vor unserem Treffen am Morgen hängt er den Störaushang im Treppenhaus aus, hat die Mieter*innen informiert und den Reparaturservice verständigt. Sein Tablet, sein täglicher Begleiter, ist längst aufgeklappt. „Erst mal die Mieter*innen beruhigen, dann kümmern", sagt er, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Die Störung des Warmwassers war nach kurzer Zeit behoben – die Reparaturen konnten dank der schnellen Reaktion direkt durchgeführt werden.
Seit fünf Jahren betreut Hans-Günter C. als Hausmeister die WBM-Objekte im Barnimkiez. Sein Weg in den Beruf war alles andere als geplant. Nach Jahren beim Fernsehen in Köln, einer Liebe, die ihn nach Kassel brachte, und einem Job als Aushilfs-Hausmeister bei seinem damaligen Vermieter, hat er gefallen an der Tätigkeit gefunden und anschließend als Haustechniker in einer Fitnessstudio-Kette gearbeitet. Schließlich fand er seinen Weg nach Berlin. Und in den Barnimkiez. Bis heute füllt er dort seinen Beruf mit viel Freude aus.
Du bist draußen, du bist unterwegs, es ist abwechslungsreich. Kein Tag ist gleich. Und das Schönste: es ist nicht monoton.
Immer in Bewegung
Der Morgen von Hans-Günter C. beginnt mit einem ersten Rundgang. Stromzähler ablesen, Briefkästen kontrollieren, auf Müll achten. Und natürlich auf die Mieter*innen. „Die, die es mit der Sauberkeit im Kiez nicht so genau nehmen, rechnen damit, dass ich pünktlich um 15 Uhr Feierabend mache", sagt er mit einem Schmunzeln. „Und dann komme ich nochmal um die Ecke." Wer Nachhilfe bei der Müllentsorgung braucht, wird angesprochen. Ruhig, direkt, ohne erhobenen Zeigefinger. Hans-Günter C. erklärt, warum es wichtig ist und dass eine saubere Umgebung allen zugutekommt. „Die meisten verstehen es, wenn man ihnen erklärt, was dahintersteckt." Und weil er niemanden zurücklassen will, hat er sich Flyer in verschiedenen Sprachen besorgt.
Der direkte Draht
Auch Mieter*innen dürfen sich mit ihren Anliegen bei Hans-Günter C. melden. Dafür gibt es in jedem Gebäude einen Briefkasten. Sie sind mehr als ein Postfach. Eine Notiz hineinwerfen, eine Frage stellen, ein Problem melden. Ohne Umwege, ohne Wartezeit. „Man muss erreichbar sein", sagt er. „Nicht nur per Telefon." Heute ist unter anderem Stromzähler ablesen für eine Mieterin angesagt. Wir begleiten Hans-Günter C. in den Technikkeller des Hauses. Enge Räume mit Rohren, Zählern und Verteilern. Das eigentliche Rückgrat eines Hauses. Der Zählerstand wird abgelesen, auf einem Zettel notiert und kurz darauf hat die Mieterin die Information schon in ihrem Briefkasten. Unkompliziert, schnell, verlässlich. Hans-Günter C. eben.
Das macht den Hausmeister aus: dass er derjenige ist, auf den man sich verlassen kann.
Lebendige Nachbarschaft mitten in Berlin
Der Barnimkiez ist bunt und gemischt, vom Alter, von der Herkunft, von den Lebensgeschichten. Das schätzt Hans-Günter C. sehr. Und er macht keinen Hehl daraus, dass das Miteinander nicht immer so harmonisch war, wie heute. Was sich verändert hat? Er ist mit den Menschen ins Gespräch gegangen. Mit denen, die Ärger machten, genauso wie mit denen, die sich ärgerten. Er hat vermittelt und erklärt. Wenn Nachbar*innen aneinandergeraten, sucht er das Gespräch, hält die Balance. Dass in der neunten Etage die älteren und die jüngeren Bewohner*innen aufeinander achten und sich im Treppenhaus grüßen, das ist kein Zufall. Das ist auch das Werk von Hans-Günter C.
Hausmeister und sozialer Anker
Das merken wir auch beim weiteren Rundgang. Ein älterer Herr mit Rollator kommt um die Ecke. Hans-Günter C. bleibt stehen, fragt, wie es ihm geht, hört zu. Dann kommt die BSR. „Meine Besten!", ruft er und lacht. Man kennt sich. Was Hans-Günter C. von einem klassischen Hausmeister unterscheidet, ist vielleicht auch das hier: Er ruft manchmal einfach an. Keine Beschwerde, kein Defekt, kein Anlass. Einfach: Na, wie geht's? Gerade bei älteren Mieter*innen, deren Kinder weit weg wohnen. „Ich sage immer: Meldet euch. Ihr stört nicht, ihr nervt nicht." Er möchte nicht, dass jemand allein bleibt.

Sein Engagement wird auch beim WBM-Sommerfest deutlich: Hans-Günter C. steht nicht nur mit den Mieter*innen in Kontakt. Auch mit seinen Kolleg*innen ist er gut vernetzt und sorgt in der Kollegschaft für mehr Zusammenhalt. Eine Eigenschaft, die von allen geschätzt wird.
Die KiezOase: mehr als ein Anlaufpunkt
Für mehr Gemeinschaft sorgt auch die KiezOase, gleich um die Ecke. Ein Gemeinschaftsort und längst eine Institution im grünen Barnimkiez ist. Offene Sprechstunden, Veranstaltungen, das bald anstehende Hoffest. Aufräumtage, bei denen Menschen aus dem Kiez gemeinsam anpacken. Hans-Günter C. hat die Greifzangen gestellt. Doch der wünscht sich mehr. Mehr Jüngere, die den Weg dorthin finden. Mehr Aktionen, mehr Sichtbarkeit im ganzen Kiez. Er selbst ist dabei, wenn er gefragt wird. Und oft auch schon vorher. Ein Mieter, den wir auf unserem Rundgang treffen, fasst es so zusammen: „Der Hans-Günter C. ist schon ein besonderer Mensch. Immer da, immer nett und sehr engagiert.“
Es macht einen Unterschied, ob man rausgeht und direkt im Chaos ist oder ob man rausgeht und erst die Bäume und die Vögel hört. Das macht für mich den Barnimkiez aus.

Neue Bänke, neue Blumen und ein Kiez, der wächst
Wenn Hans-Günter C. am Ende des Tages seine letzte Runde gedreht hat, ist der Barnimkiez ein kleines bisschen ordentlicher und freundlicher und die Gemeinschaft ein kleines bisschen stärker als am Morgen. Wir setzen uns auf eine Bank im kleinen Park vor den Häusern. Es ist ruhig hier. Vögel, Bäume, Grün. Mittendrin diese Stille, die man in Berlin nicht überall findet. Hans-Günter C. schaut auf die Bänke. Die will er erneuern lassen. Und danach gemeinsam mit den Mieter*innen Blumen pflanzen. „Ich möchte, dass sie ihren Kiez selbst zum Leben erwecken", sagt er. „Und mitgestalten. Jede und jeder Einzelne zählt." Wenn man Hans-Günter C. so sitzen sieht, schon wieder den Blick auf das nächste Projekt gerichtet, glaubt man ihm das sofort.






