Perspektive für Berliner Straßenkinder
Der Berliner Verein Straßenkinder e. V. hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu bieten. Im Gespräch mit dem Verein und Jugendlichen, erfahren wir welche Herausforderungen es zu meistern gilt.
Rund 3.000 Kinder und Jugendliche leben laut Schätzungen in Berlins Straßen. Die Gründe dafür sind vielfältig und bestehen oft aus einer Aneinanderreihung negativer Erlebnisse im Leben der jungen Menschen.
Daheim war’s immer schon schwierig. Da kam ich in eine Wohngruppe – da gab’s aber auch Stress. Hab‘ das da nicht so ausgehalten. Ich komm bei Freunden unter – mal da, mal dort.
Im Gespräch mit Josina Moll, zuständig für Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit im Straßenkinder e. V. erfahren wir, was der Verein in Berlin auf die Beine stellt und welche Begegnungen besonders in Erinnerung bleiben.
Straßenkinder e. V.: Unterstützung für Straßenkinder in Berlin
Der Verein Straßenkinder e. V. schafft eine Perspektive. Mit einem festen Team und zahlreichen ehrenamtlichen Helfer*innen, setzt man sich hier für junge Menschen von der Straße ein. Von Kleiderspenden, einer warmen Dusche, Hilfe bei Behördengängen, etwas zu Essen oder einfach einen Ort zum Reden, gibt es ein großes Angebot.
Im Kinder- und Jugendhaus Bolle in Berlin-Marzahn, umringt von den stadtbekannten Plattenbauten, findet sich seit 2017 eine Anlaufstelle mit einem solchen Angebot. Dort dürfen alle „einfach mal ankommen“. Es gibt täglich um 13 Uhr ein warmes Mittagessen und jede Menge Freizeitangebote von Kreativworkshops bis hin zu gemeinsamen Ausflügen.
Ich geh‘ fast jeden Tag zum Straßenkinder e. V. hin, da treffe ich meine Freunde und die Sozialarbeiter. Da krieg ich auch neue Schuhe und was zum Anziehen. Und eine Dusche!
Nach BOLLE kommt BUTZE
Doch damit ist noch lange nicht Schluss, denn aktuell wird fleißig in Berlin-Lichtenberg gebaut. Schon bald wird hier das Straßenkinderhaus BUTZE auf einer Fläche von rund 3.650 Quadratmetern seine Türen öffnen. Aktuelle Einblicke auf die Baustelle gibt es im Bautagebuch des Vereins. Besonderheit ist, dass der Verein damit erstmals eigene Unterkünfte für die Kinder- und Jugendlichen zur Verfügung stellen kann. Der Bedarf an solchen Plätzen ist in Berlin generell groß, insbesondere aber auch bei so extremen Wetterverhältnissen wie aktuell im Winter. Bis dahin versorgt der Verein die Straßenkinder beispielsweise mit Wärmepads, Decken, Schlafsäcken und Mänteln, wie uns Josina Moll im Gespräch erzählt.
Diese Unterstützung kommt an
Von Spende, über Ehrenamt bis hin zum festen Teammitglied, Ihre Unterstützung zählt. Auf der Website des Straßenkinder e. V. finden Sie alle Anlaufstellen und Informationen, wenn Sie sich einbringen möchten.
Der Verein wird fast ausschließlich durch Spenden finanziert und freut sich über jede kleine oder große Spende. Wenn Sie die Arbeit des Vereins finanziell unterstützen möchten, können Sie an folgendes Konto spenden: Straßenkinder e. V., SozialBank, IBAN: DE33 3702 0500 0003 2826 00, BIC: BFSWDE33XXX
Die Essensausgabe am Alexanderplatz als wichtige Anlaufstelle
Der Verein ist auch im Herzen der Stadt, am Berliner Alexanderplatz aktiv und verteilt dort Mittagessen an Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben. Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH unterstützt die Essensausgabe seit über fünf Jahren finanziell.

Ein Ort ohne Verpflichtungen und ohne Fragen
Hier am Alex ist auch Marco* zum ersten Mal mit dem Verein Straßenkinder in Kontakt gekommen. Josina Moll erinnert sich noch gut an diesen Moment: „Er stand zunächst etwas abseits und beobachtete, was dort passiert. Die Essensausgabe ist oft der erste Kontaktpunkt: niedrigschwellig, ohne Verpflichtungen, ohne Fragen“.
Plötzlicher Kontaktabbruch gehört zum Alltag
Im Laufe der nächsten Wochen kam Marco immer wieder und traute sich mit der Zeit sogar eine der Anlaufstellen des Vereins zu besuchen. Dort beteiligte er sich schließlich auch an Spielen und Gesprächen, sogar eine Gemeinschaftsunterkunft konnte für ihn organisiert werden. Bis seine Besuche plötzlich ausblieben. „Solche Kontaktabbrüche gehören zum Arbeitsalltag der Straßensozialarbeit. Oft können wir in diesen Situationen wenig tun, außer erreichbar zu bleiben“, weiß auch Josina Moll.
Einige Monate später stand Marco überraschend wieder bei der Essensausgabe in der Schlange. Diesmal mit einem breiten Lächeln. Als er an der Reihe war, kamen wir ins Gespräch. Kurz und stolz sagte er: ‚Schaut mal, ich hab ’ne Ausbildung ‘.
Schon kleine Dinge im Alltag können etwas bewirken
In solchen kleinen und großen Momenten wird immer wieder deutlich, wieso die Vereinsarbeit und das Engagement aller Beteiligten so wichtig ist. Schon kleine Angebote können helfen und für die Kinder und Jugendlichen eine Perspektive schaffen oder für neuen Mut sorgen weiterzumachen.
*: Der Name wurde zum Schutz des Jugendlichen geändert.



