Nachbarn seit 65 Jahren
Seit 65 Jahren wohnen sie Tür an Tür: Zwei Familien, die als junge Paare in den 1960er Jahren einzogen und bis heute Nachbarn geblieben sind. Eine Geschichte über Freundschaft, Veränderung und das Leben in Berlin-Charlottenburg.
„Am 1. August 1960 habe ich noch als lediger Mann den Mietvertrag bei der Bewoge unterschrieben. Es war die letzte freie Wohnung im Haus und ich bin als erster eingezogen“, erinnert sich Herr M. Wenige Wochen später heiratete er – und seitdem lebt er mit seiner Frau in der 2,5-Zimmer-Wohnung mit Balkon. „Das war damals sozialer Wohnungsbau."
Nur zwei Wochen später zog Frau B. mit ihrem Mann gleich nebenan ein.
Wir waren sehr glücklich darüber, dass wir diese schöne Wohnung als frisch verheiratetes junges Paar beziehen konnten.
In den 1960er Jahren war das Viertel noch geprägt von Ruinen. „Die Häuser gegenüber gab es noch nicht, hinter unserem Haus stand ein alter Seitenflügel“, sagt Herr M. Heute liegt die Technische Universität Berlin gleich um die Ecke.
Damals gab es Tante-Emma-Läden in jeder Straße, heute müssen die beiden weiter laufen, um einzukaufen. Aber die Verkehrsanbindung ist nach wie vor hervorragend: Wilmersdorfer Straße, Kudamm und Zoo sind schnell erreichbar. Und die Wohnungsknappheit war damals übrigens genauso ein Thema wie heute.
Zwei Jahre nach dem Einzug kamen in beiden Familien die Töchter zur Welt. Das halbe Zimmer wurde zum Kinderzimmer. Mitte der 60er Jahre spielten die Kinder auf dem gepflegten Hof-Spielplatz – ein schöner Ort, der bis heute existiert, auch wenn kaum noch Kinder im Kiez leben.
Das Schönste für uns war die Geburt unserer Tochter.
Die Architektin des Hauses war eine Frau – „deshalb ist alles so zweckmäßig geplant“, glauben die Nachbarn. Die Wohnungen hatten Korklinoleum, bunte Tapeten und eine Einbauküche, die bis heute steht. Nur die Türen der Schränke wurden erneuert, und Geschirrspüler kamen später hinzu. Aus den Kinderzimmern wurden Ess- und Gästezimmer.
Die Töchter wohnen inzwischen weit weg, die Enkelkinder ebenso. Aber ihren Platz haben sie hier immer noch.
Frau B. wird im kommenden Sommer zu ihrer Tochter ziehen. „Ich kann es mir noch gar nicht vorstellen, nochmal ganz neu anzufangen“, sagt sie. „Aber ich bin dann bei meiner Familie und nicht mehr allein in Berlin.“
Zum Abschied wird es ein Kaffeetrinken geben – eine große Feier wie früher, als alle Nachbarn zusammenkamen, wird es nicht mehr geben.
„Ich wünsche meinen Nachbarn nette neue Nachbarn und hoffe, dass sie sich gegenseitig unterstützen. Denn im kommenden Jahr steht die Sanierung an.“
Familie M. weiß, dass sie von der WBM in dieser Zeit gut unterstützt wird. Frau S. aus dem Team Modernisierung sagt uns: „Ich durfte die beiden Mietparteien schon 2019 im Rahmen einer Strangsanierung begleiten und freue mich darauf, die Mieter auch in der Zeit der energetischen Sanierung unterstützen zu können.“
Aber noch ist es nicht soweit und die drei genießen die gemeinsame Weihnachtszeit sowie den Jahreswechsel sowie und ihre langjährige Nachbarschaft.
Haben Sie auch eine Nachbarschaftsgeschichte für uns, die Sie gern erzählen wollen? Dann schreiben Sie uns: magazin@wbm.de




