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Haus Schwarzenberg in Berlin

Das Haus Schwarzenberg in Berlin-Mitte ist ein besonderer Ort mit einer bewegten Geschichte. Wir blicken zurück auf seine Anfänge, erzählen von den Menschen, die ihn geprägt haben und zeigen, warum er bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.

Blick in einen alten Hinterhof in dem mehrere Bänke und Tische stehen und eine Metallskulptur. An den Hauswänden wächst Efeu.

Eine besondere Geschichte

Zwischen den glatten Fassaden rund um den Hackeschen Markt befindet sich ein geschichtsträchtiger Ort, der nicht angepasst, sondern eigenwillig geblieben ist: das Haus Schwarzenberg. In diesem Mikrokosmos treffen Subkultur, Gedenkstätten und experimentelle Kunst aufeinander. Doch das Leben hier war nicht immer so bunt. Die Mauern haben zwischen Glanzzeiten, dunklen Kapiteln bis hin zum drohenden Verfall so manches erlebt. Heute erzählt das Haus seine Geschichten auf ganz eigene Weise und zieht Menschen aus aller Welt an.

Von der Werkstatt zum Hofensemble

Anders als der Name vermuten lässt, ist das Haus Schwarzenberg heute weit mehr als ein einzelnes Gebäude. Aber alles begann vor über 250 Jahren mit einem ersten Bau, den der Fabrikant Johann Gottfried Paul 1769 in der Rosenthaler Straße errichten ließ. Im Laufe der Jahre wuchs daraus ein ganzer Komplex: eine Messerschmiede, Arbeiterwohnungen und ein vierstöckiges Hinterhaus kamen hinzu – die Geburtsstädte für das, was sich später zum lebendigen Hofensemble entwickeln sollte. 

Ein Ort des stillen Widerstands

Doch Bevor das Haus Schwarzenberg zu einem Zentrum für Kunst und Subkultur werden konnte, waren seine Mauern Schauplatz stiller Heldentaten. Im Hinterhof betrieb der Bürstenmacher Otto Weidt während des 2. Weltkriegs eine Bürstenwerkstatt. Dort gab er hauptsächlich blinden, seh- und hörbehinderte Jüd*innen eine Arbeit, die zur Zwangsarbeit verpflichtet worden waren. Die Werkstatt wurde zum Zufluchtsort, er versorgte mehrere seiner Angestellten mit falschen Papieren und Nahrung. Sein Handeln machte das Haus zu einem Symbol für Zivilcourage mitten im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Heute erinnern das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt und die Ausstellung Stille Helden an diese mutigen Taten und an all jene, die den Verfolgten beistanden.

Von DDR-Filmräumen zum maroden Relikt

Nach dem Krieg gehörte das Gebäude zu Ost-Berlin und die staatliche Filmgesellschaft DEFA nutzte Teile des Komplexes als Büros und Werkstätten. Auch Wohnungen und kleinere Betriebe fanden hier Platz. Doch die Jahre setzten den Gebäuden stark zu: Sanierungen blieben aus, die Substanz verfiel, und am Ende der 1980er-Jahre war vom einst lebendigen Ort nur noch ein marodes Relikt geblieben.

Künstler*innen retten das Haus

Nach der Wende stand das Haus Schwarzenberg zunächst leer und drohte endgültig zu verfallen. Doch 1995 entdeckte das Kreuzberger Künstlerkollektiv Dead Chickens das Areal und rettete es gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden vor dem Einsturz. Sie gründeten den Verein Schwarzenberg e. V. und gaben dem Ort seinen heutigen Namen. Inspiriert vom Roman „Schwarzenberg“ von Stefan Heym, stand der Name für genau das, was hier entstehen sollte: ein freier, unabhängiger Raum für Kunst und Kultur mitten in der Stadt. Noch heute lebt dieser Geist fort, beispielsweise im „Monsterkabinett“, wo die skurrilen, mechanischen Skulpturen des Künstlerkollektivs präsentiert werden und Besucher*innen in eine bizarre Welt entführen.

Denkmalschutz statt Auktion: Haus Schwarzenberg bleibt!

Ende der 1990er-Jahre ging das Haus Schwarzenberg zunächst an die Erben des jüdischen Vorbesitzers zurück. Aber die große Erbengemeinschaft war sich uneinig und 2003 drohte die Zwangsversteigerung. Doch die Kampagne „Haus Schwarzenberg bleibt“ mobilisierte Politik und Prominenz und so erhielt schließlich 2004 die WBM den Zuschlag. Sie stellte sicher, dass Kunst, Kultur und Gedenken dauerhaft im Haus verankert bleiben. Seit 2005 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, die Mieter*innen erhielten langfristige Verträge und der alternative Charme des Hauses konnte trotz Sanierung erhalten werden.

Ein Mikrokosmus mitten in Berlin

Während rund um den Hackeschen Markt in den 2000ern Edelboutiquen und Modeketten das Stadtbild veränderten, blieb das Haus Schwarzenberg seinem eigenen Charakter treu. Wer heute durch die bunt besprühten Höfe schlendert, merkt sofort: Hier ist nichts glattgebügelt, sondern lebendig. Künstler*innen, Musiker*innen, Filmschaffende und kleine Agenturen aus aller Welt arbeiten Seite an Seite. In der Galerie neurotitan hat experimentelle Kunst seit Jahren ein Zuhause, der dazugehörige Shop ist ein Treffpunkt für Comicfans und Designliebhaber*innen. Abends hört man aus der Kultbar Eschschloraque Rümschrümp eine wilde Mischung aus Sounds, während im Kino Central Arthouse-Filme flimmern. All das macht das Haus Schwarzenberg zu einem Stück Berlin, das sich bewusst vom Hochglanz unterscheidet und gerade dadurch seine Anziehungskraft behält.

30 Jahre Haus Schwarzenberg: Ein Jubiläum 

30 Jahre nach seiner Wiederbelebung feiert das Haus Schwarzenberg runden Geburtstag, mit einem ganzen Jahr voller Programm. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Ausstellung „ECHOHAUS“, die mit Unterstützung der WBM, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen lässt. Sound, Bilder und Installationen machen sichtbar, was diesen Ort ausmacht: ein Echo der Berliner Subkultur, das bis heute nachhallt. 

Ein Ort mit Vergangenheit für die Zukunft

Das Haus Schwarzenberg steht für über 250 Jahre Berliner Geschichte und ist ein Symbol dafür, dass in Berlin auch heute noch Platz ist für Experimente, Vielfalt und Subkultur. Möglich ist das durch die Zusammenarbeit von Künstler*innen, Vereinen und Partnern*innen wie der WBM. Und während das Jubiläum gefeiert wird, ist eines klar: Das Haus Schwarzenberg bleibt ein Ort, der inspiriert, herausfordert und überrascht, sicher auch noch die nächsten 30 Jahre.