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Vom Kasernenhof zum Kiez: Das Dragonerareal in Berlin-Kreuzberg
Das Dragonerareal am Mehringdamm hat viele Leben geführt. Als Weidefläche, Kaserne und umkämpftes Grundstück. Heute steht der Ort für ein Mix aus Wohnen, Kultur und Gemeinschaft. Mitten in einem der lebendigsten Bezirke der Stadt.
Das Dragonerareal, offiziell „Rathausblock Kreuzberg“ genannt, ist ein Stück Stadtgeschichte auf knapp fünf Hektar. Wer heute über das weitläufige Gelände zwischen Mehringdamm und Yorckstraße in Kreuzberg spaziert, kann erahnen, was hier einmal war: eine Dragonerkaserne, der Stützpunkt von berittenen Soldaten, erbaut im 19. Jahrhundert. Heute erfindet sich das Areal gerade neu. Als gemeinwohlorientiertes Quartier, das allen gehört.
Das Dragonerareal und die Berliner Geschichte
Bevor hier Backsteinbauten standen, war das Gelände ein „Upstall", eine gemeinschaftlich genutzte Weidefläche. 1855 wurde es dann militärisch genutzt: Das 1. Garde-Dragoner-Regiment bezog eine Kaserne, die dem Areal bis heute den Namen gibt. Nach dem Ende des Kaiserreichs wurde das Gelände umgewidmet. Das Mannschaftsgebäude wurde zum Finanzamt, die Stallgebäude zu Autowerkstätten und Kfz-Betrieben. Im Zweiten Weltkrieg diente das Areal schließlich als Rüstungsstandort. Zwangsarbeiter*innen wurden hier eingesetzt und untergebrach. Ein dunkles Kapitel. Nach Jahrzehnten als erneuter Gewerbestandort stand das Gebiet Anfang der 2010er Jahre wieder an einem Wendepunkt.
Für das Dragonerareal: Kreuzberger*innen im Einsatz gegen Privatisierung
2012 bot die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gelände zum Verkauf an. Ein privater Investor erhielt zunächst den Zuschlag, doch die Nachbarschaft wehrte sich. Bürgerinitiativen, Gewerbetreibende und zivilgesellschaftliche Bündnisse mobilisierten gegen eine Privatisierung. 2016 wurde der Rathausblock in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz (seit 2020 Lebendige Zentren und Quartiere) aufgenommen. Seitdem wird hier gemeinsam geplant. Mit Beteiligung der Nachbarschaft, von Kulturinitiativen, dem Bezirk und dem Senat. Das Leitbild ist klar: leistbarer Wohnraum, Raum für Gewerbe und Kultur, viel Grün und Freiflächen. Kein Hochglanzquartier, sondern ein Stück gelebte Stadt.
Dragonerareal heute: Kiezraum, Nachbarschaft und große Pläne
Stillstand kommt für das Dragonerareal nicht in Frage. Es ist immer in Bewegung. Mit dem 2021 sanierten Kiezraum und der 2023 instand gesetzten Adlerhalle gibt es neue Treffpunkte. Für die Nachbarschaft, Initiativen und Kultur. Foren, Stadtwerkstätten und Ausstellungen finden hier statt. Und es stehen schon neue Pläne in den Startlöchern: Die WBM plant auf dem Areal Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Auch eine Kita und eine Jugendfreizeiteinrichtung sollen hier in Zukunft Heimat finden.






